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Lichtblicke vor Ostern von Pastor Pulger

ThomasB. auf Pixabay
ThomasB. auf Pixabay

Liebe Gemeinde St. Georg,

 

in dieser schwierigen Zeit erleben und begegnen wir Menschen anders als sonst. 

 

Es hieß in einer der zahlreichen und vielfach guten Talkrunden, 40% der Bevölkerung handelten egoistisch (siehe u.a. „Hamsterkäufe“). Die gute Nachricht ist hingegen, dass erfreulicherweise 60% der Menschen durch die Krisensituation in unserem Land solidarisch sind oder werden. Das heißt für mich, dass auch etwas Positives erwächst und hoffentlich auch bleibt.


Es gibt zurzeit glücklicherweise viele Menschen, die sich Gedanken um andere machen. Sie sorgen für Schwächere, indem sie Einkäufe oder anderes erledigen oder einfach nur nachfragen, wie es dem anderen geht. Gerade in dieser Zeit sind Zuhören und ein liebes Wort besonders kostbar. Manche Begegnungen empfinde auch ich als „Lichtblicke“ in diesen Tagen. Mit manchen Menschen, auch auf der Straße, komme ich ganz anders ins Gespräch. Die Frage „Wir geht es Ihnen?“ hat einen ganz anderen Stellenwert als sonst. Auch wird bewusst wahrgenommen, dass das Gemeindeleben deutlich zurückgefahren worden ist. Menschen fragen mehr danach als sonst. Vielleicht erkennen viele jetzt umso mehr, was uns zurzeit schmerzlich fehlt. Eine offene Kirche, Palmzweige und Osterkerzen tun uns gut, können aber die feierlichen Gottesdienste nicht ersetzen. Die liebevoll gestalteten Gottesdienste in den Medien haben viele für sich neu entdeckt. Da schließe ich mich mit ein. Der Palmsonntags-Gottesdienst aus dem Stephansdom in Wien mit dem wunderbaren Gesang hat mir sehr gutgetan.   

 

Ich hoffe, dass die derzeitige Krise Menschen bewegt umzudenken, das eigene Leben zu reflektieren und neu zu ordnen. Auch an Ostern geschieht Wandlung, vom Tod zum Leben. Könnte die derzeitige Krise nicht auch für unsere Gesellschaft eine Chance zu Wandlung hin zum Guten sein? 

 

Gerade die Fastenzeit gibt seit jeher eine gute Gelegenheit dafür, neue Wege zu planen und das eigene Verhalten zu überdenken. Das empfinden wir wahrscheinlich in diesem Jahr mehr als je zuvor. Wenn ich nur um mich kreise, anstatt mich anderen zu zu-wenden, dann wird auch mein eigenes Leben arm, auch wenn es mir aus Gewohnheit gar nicht so auffällt. Wie erfreulich, dass viele Menschen zurzeit ein Segen sind für Schwächere in unserer Gesellschaft. Eine neue Achtsamkeit ist erwachsen aus der Notsituation. Menschen achten viel intensiver aufeinander und vielleicht auch auf sich. Letzteres hat nichts mit Egoismus zu tun, da auch das von Gott geschenkte eigene Leben als kostbar erfahren werden darf. Grundsätzlich denken Menschen derzeit intensiv über den Wert menschlichen Lebens nach. Die erschreckenden Nachrichten und Bilder von den schwer erkrankten Infizierten und den Toten tragen dazu erheblich bei. Eine Frage stellt sich vielen: Wie kann es nur weitergehen?          

 

Ich denke, mittlerweile haben sich viele mit den Sicherheitsmaßnahmen wie dem Versammlungsverbot arrangiert. Mir geht es auch so. Denn es steht viel auf dem Spiel, wie Gesundheitsminister Jens Spahn es eingeschätzt hat.

 

Ostern bedeutet für uns in diesem Jahr, in einer völlig neuen Situation Formen des Feierns zu finden und erfinden. Obwohl uns die Feierlichkeiten in den Kirchen fehlen, ist schon bisher viel Gutes entstanden. Gemeinde versammelt sich visuell bei den sehr guten Fernsehgottesdiensten oder im Internet. „Telefonbesuche“, Videoanrufe und Konferenzen via Telefon oder z.B. Whatsapp oder Zoom helfen uns zumindest annähernd durch diese Zeit, damit Gemeinschaft nicht völlig verloren geht.

 

Ostern bedeutet für mich Aufbruch. Die Corona-Krise fordert uns alle heraus. Einschränkungen bedeuten auch Zeit, um unser eigenes Leben zu überdenken. Was ist mir wichtig, bedeutsam und heilig? Möge Gott uns Kraft geben, neue Wege zu planen, andere Perspektiven zu suchen und uns Mut geben, bisherige Einstellungen zu überdenken. Was ist wichtig, was ist bedeutsam in meinem Leben? Eine solche Chance bekommen wir, trotz aller schwierigen Umstände, vielleicht nicht mehr. Vielleicht werden wir nach der Krise zur Erkenntnis kommen, dass „Stillstand“ und „Entschleunigung“ sich positiv auf unser Leben auswirkt haben. Viele Menschen sprechen bereits jetzt davon. So bleibt bei allem Leid die Chance, das eigene Leben in Gemeinschaft neu zu gestalten.  

 

Ich wünsche ich Ihnen gesegnete Ostertage.

 

Ihr Pastor Pulger