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Bericht: Nächtliche Gebetswache der ACAT

Wir fordern GERECHTIGKEIT und FAIRE Prozesse
für Journalisten, Menschenrechtsaktivisten und Oppositionelle:
Unterstützt uns!

 

"FOLTER" ist ein Reizwort. Folter ist das Böse schlechthin, die ultimative Negation der Menschenwürde. Weil Folter mehr ist als Körperverletzung. Zielsetzung der Folter ist es, das Opfer zu demütigen, zu erniedrigen, es vollständig zu unterwerfen. Meilenweit entfernt von FAIR – meilenweit entfernt von GERECHT. Ein Markenzeichen der totalitären Regime des 21. Jahrhunderts.

 


In Deutschland leben wir in einem Rechtsstaat, in dem das Folterverbot im Grundgesetz verankert ist. Was liegt da näher, als sich für diejenigen einzusetzen, die Opfer von unfairen Prozessen, Folter und Hinrichtungen werden?  Als Christen glauben wir an Jesus von Nazareth, in einem unfairen Prozess verurteilt, gefoltert und hingerichtet. Was liegt da näher, als sich für diejenigen einzusetzen, die dasselbe Schicksal erleiden wie er?

 

Die christlich-ökumenische Menschenrechtsorganisation „Aktion der Christen für die Abschaffung der Folter“ – ACAT – nimmt seit 15 Jahren den 26. Juni zum Anlass, sich mit Christ*innen aller Konfessionen rund um den Globus zu einer Gebetskette zusammen zu schließen und für Folteropfern einzutreten. Anlass dafür ist der Internationale Tag zur Unterstützung der Folteropfer, 1997 eingesetzt durch die Vereinten Nationen – genau 10 Jahre nach dem In-Kraft-Treten der UN-Antifolterkonvention.

 

Auch in diesem Jahr fand in St. Barbara, Essen-Byfang, unter der Leitung von Pater Alex und Pfarrer i.R. Manfred Rompf ein ökumenischer Gottesdienst statt, in dem Gefolterte und zum Tode verurteilte im Fokus standen.

 

Gefoltert – gequält – zu Unrecht verurteilt – verachtet - verlassen zu werden: Wer könnte dies besser nachempfinden als der alttestamentarische Hiob? Für die Opfer von Folter hat sein qualvoller Schrei: „Wo ist da noch Hoffnung für mich?“ (Hiob 17, 15), das Motto der diesjährigen Nächtlichen Gebetswache, über die Jahrtausende nichts an Brisanz verloren. Es ist eine Anklage, gerichtet an Gott, von dem sich Hiob allein gelassen fühlt in seinem Elend, nach dem Tod seiner Kinder, seiner Reichtümer beraubt, von Krankheiten gezeichnet. Und dennoch – trotz dieses grausamen Schicksals ist Hiob nicht dazu bereit, mit seinem Gott zu brechen. Hiob hadert mit Gott und klagt ihn an, aber weder stellt er seine Existenz in Frage noch ist er bereit seine Schicksalsschläge als Strafe Gottes zu akzeptieren, wie seine Freunde vorschlagen. Gott ist nicht der Urheber seines Elends, weiß  Hiob. Doch er lässt es zu. Warum? Im Laufe der Menschheitsgeschichte stellt sich nicht allein Hiob diese Frage, und selbst Jesus schreit in seiner Todesstunde: „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“ Eine Antwort darauf suchen wir vergeblich. Letztlich bleibt uns, ebenso wie Hiob, Jesus und allen Menschen, denen Furchtbares widerfährt, nur das Vertrauen darauf, dass Gott trotz allem immer und überall gegenwärtig ist, auch im größten Leiden. Dass der „Ich bin da“ durch die Finsternis hindurchträgt, auch dann, wenn es nicht vorstellbar erscheint. Und uns bleibt die Möglichkeit, nicht davor zu kapitulieren, sondern zu helfen. Trost zu spenden, wenn nichts anderes mehr geht. So, wie es Dietrich Bonhoeffer gelang, als er, 1945 selbst im Konzentrationslager auf den sicheren Tod wartend, seinem jungen Zellennachbarn unmittelbar vor dessen Hinrichtung ein Gebet* mit auf den Weg geben konnte, das diesen trotz der aussichtslosen Situation mit Zuversicht und Frieden erfüllte.

 

Im Vertrauen darauf, dass Gott trotz allem auf Seiten der zu Unrecht Inhaftierten, Gefolterten und von der Todesstrafe Bedrohten steht und ihnen Hilfe zuteil werden lässt, hat die ACAT in St. Barbara Fürbitte gehalten für Männer und Frauen in China, Gabun, den USA, Burundi, Vietnam, Ägypten, Saudi-Arabien, dem Kongo und Mexiko -  unter ihnen zahlreiche Journalisten, Berichterstatter und Blogger, die durch ihr Bemühen, Transparenz zu schaffen, ins Fadenkreuz der politischen Machthaber gerieten. Für vier von ihnen, Agnès Ndirubusa, Christine Kamikazi, Egide Harerimana und Térence Mpozenzi, junge Journalisten aus Burundi, die allein wegen ihrer regierungskritischen Berichterstattung in einem unfairen Prozess zu 2 ½ Jahren  Gefängnis verurteilt wurden, haben die Teilnehmer zum Abschluss des Gottesdienstes kurze Briefe unterzeichnet, in denen sie ihnen ihre Solidarität aussprachen.

 

Musikalisch begleitet wurde die Nächtliche Gebetswache in diesem Jahr von Ulrike Janning (Gesang und Gitarre), Marlise Morgenschweis (Altflöte) und Stephen Oladeji (Trommel) – ganz herzlichen Dank dafür!

 

Anne Silkenat- Grahe (ACAT-Mitglied aus St. Georg, Essen-Heisingen)

 

*In mir ist es finster,

aber bei dir ist das Licht.

Ich bin einsam,

aber du verlässt micht nicht.

Ich bin kleinmütig,

aber bei dir ist Hilfe.

Ich bin unruhig,

aber bei dir ist Friede.

In mir ist Bitterkeit,

aber bei dir ist die Geduld.

Ich verstehe deine Wege nicht,

aber du weißt den Weg für mich.

- Dietrich Bonhoeffer -