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Pastor Neikes: Impuls zum Palmsonntag - 28.03.2021

Das Leiden unseres Herrn Jesus Christus nach Markus

 

Der Todesbeschluss der Hohepriester und Schriftgelehrten (Mk 14, 1- 2)

1 Es war zwei Tage vor dem Pascha und dem Fest der Ungesäuerten Brote. Die Hohepriester und die Schriftgelehrten suchten nach einer Möglichkeit, Jesus mit List in ihre Gewalt zu bringen, um ihn zu töten. 2 Sie sagten aber: Ja nicht am Fest, damit es im Volk keinen Aufruhr gibt!

 

Die Salbung Jesu im Haus Simons des Aussätzigen (Mk 14, 3- 9)

3 Als Jesus in Betanien im Haus Simons des Aussätzigen zu Tisch war, kam eine Frau mit einem Alabastergefäß voll echtem, kostbarem Nardenöl, zerbrach es und goss das Öl über sein Haupt. 4 Einige aber wurden unwillig und sagten zueinander: Wozu diese Verschwendung? 5 Man hätte das Öl um mehr als dreihundert Denare verkaufen und das Geld den Armen geben können. Und sie fuhren die Frau heftig an. 6 Jesus aber sagte: Hört auf! Warum lasst ihr sie nicht in Ruhe? Sie hat ein gutes Werk an mir getan. 7 Denn die Armen habt ihr immer bei euch und ihr könnt ihnen Gutes tun, sooft ihr wollt; mich aber habt ihr nicht immer. 8 Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat im Voraus meinen Leib für das Begräbnis gesalbt. 9 Amen, ich sage euch: Auf der ganzen Welt, wo das Evangelium verkündet wird, wird man auch erzählen, was sie getan hat, zu ihrem Gedächtnis.

Der Tod Jesu (Mk 15, 34- 41)

In der neunten Stunde schrie Jesus mit lauter Stimme: Eloï, Eloï, lema sabachtani?, das heißt übersetzt: Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen? 35 Einige von denen, die dabeistanden und es hörten, sagten: Hört, er ruft nach Elija! 36 Einer lief hin, tauchte einen Schwamm in Essig, steckte ihn auf ein Rohr und gab Jesus zu trinken. Dabei sagte er: Lasst, wir wollen sehen, ob Elija kommt und ihn herabnimmt. 37 Jesus aber schrie mit lauter Stimme. Dann hauchte er den Geist aus. 38 Da riss der Vorhang im Tempel in zwei Teile von oben bis unten. 39 Als der Hauptmann, der Jesus gegenüberstand, ihn auf diese Weise sterben sah, sagte er: Wahrhaftig, dieser Mensch war Gottes Sohn. 40 Auch einige Frauen sahen von Weitem zu, darunter Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus dem Kleinen und Joses, sowie Salome; [2] 41 sie waren Jesus schon in Galiläa nachgefolgt und hatten ihm gedient. Noch viele andere Frauen waren dabei, die mit ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren.


„Ja nicht am Fest, damit es im Volk keinen Aufruhr gibt!“ (Mk 14,1)

 

Des Todesbeschluss gegen Jesus steht fest. Aber die Hohepriester und Schriftgelehrten ahnen, dass es kein leichtes Unterfangen sein wird. Am Paschafest ist Jerusalem voll mit pilgernden Gläubigen aus dem ganzen Land und aus aller Welt. Jesus ist mittlerweile bekannt und populär geworden. Sie müssen ihn mit List in ihre Gewalt bringen und darauf achten, dass es deswegen nicht zu Tumulten kommt.

 

Während sich der Tod gerade auf den Weg macht, sitzt Jesus im Haus des Simon, wo er zu einem Mahl eingeladen ist. Die Gemeinschaft im Mahl ist ihm immer wichtig. Man sitzt zusammen, teilt Brot und Wein und unterhält sich. Vielleicht diskutieren sie auch miteinander über das Gesetz und das Evangelium. Da wird es plötzlich still, eine unbekannte Frau hat das Haus betreten. In der Hand ein Gefäß mit Öl. Sie bricht es auf, und der Inhalt ergießt sich über Jesus. Die Gäste reißen die Augen weit auf und können den Mund nicht mehr zu kriegen: Was geschieht da gerade? Was für eine Verschwendung! Nicht nur ein paar Tropfen Öl auf die Stirne, um zu beruhigen und zu glätten. Nein, gleich ein ganzes Alabastergefäß. Wie teuer mag das Öl sein? Das ist für mindestens 300 Denare! 300 Denare, das ist der Jahreslohn eines Arbeiters. Welche Verschwendung. Wie viel Gutes hätte man mit Geld tun können. Die Gäste gehen die Frau hart an.

 

Der Raum wird vom intensiven Duft des Nardenöls erfüllt, das für seine tiefenentspannende Wirkung bekannt ist. Jesus sitzt da, das Öl tropft ihm vom Haar herab, und er sagt: „Die Armen habt ihr immer bei Euch.“ Mit diesem Wort legt sich ein dunkler Schatten über das Haus des Simon und die Tischgemeinschaft. Wir kennen weder den Namen der Frau, noch wissen wir genau, warum sie das getan hat. In einer verschwenderischen, liebevollen Geste hat sie an Jesus gehandelt, ohne eine Gegenleistung zu erwarten. Sie hat ihm einfach nur etwas Gutes getan. Es ist Jesus, der diese Geste auf sein Schicksal hin deutet, das die Granden gerade beschlossen haben. „Sie hat getan, was sie konnte. Sie hat im Voraus meinen Leib für das Begräbnis gesalbt.“ (Mk 14, 8) Draußen der Todesbeschluss, hier die Salbung. Salbungen sind nicht allein kosmetisch. Durch die Salbungen werden Menschen zu Königen, siehe David. Kranke werden gesalbt, und mit Gebeten wird die Heilung begleitet. „Das gläubige Gebet wird den Kranken retten“ (Jak 5,14–15.) Schließlich ist die Salbung der Toten die letzte Ehre, die wir ihnen erweisen können.

 

Auf den Todesbeschluss folgt ein Werk der Liebe und Barmherzigkeit. Jesus ist es wichtig, dass wir das nicht vergessen: „Amen, ich sage euch: Auf der ganzen Welt, wo das Evangelium verkündet wird, wird man auch erzählen, was sie getan hat, zu ihrem Gedächtnis.“ (Mk 14,9) Nein, wir haben es nicht vergessen.

 

Nicht vergessen sind auch die Frauen, die in Entfernung vom Kreuz stehen und Jesus in seinem Todeskampf nicht alleine lassen. „Auch einige Frauen sahen von Weitem zu, darunter Maria aus Magdala, Maria, die Mutter von Jakobus dem Kleinen und Joses, sowie Salome; sie waren Jesus schon in Galiläa nachgefolgt und hatten ihm gedient. Noch viele andere Frauen waren dabei, die mit ihm nach Jerusalem hinaufgezogen waren.“ (Mk 15,40) Sich dem Kreuz aus Solidarität mit dem Verurteilten zu nähern, war nicht ungefährlich. Da waren die bewaffneten Wachen, der Spott der Gaffer, der Verdacht: „Seid nicht auch ihr seine Jüngerinnen, gehört nicht auch ihr ans Kreuz?“ Die Frauen können nur von Weitem zuschauen, mitleiden, aushalten. So kommt ein weiterer Schmerz hinzu, nämlich dem sterbenden Jesus nicht nahe zu sein zu dürfen, ihm nicht die Hand halten zu können, kein Wort des Trostes und des Abschieds kann gesagt werden.

 

Sie können nur schauen, warten, leiden.

 

Hier am Kreuz fehlen die Apostel. Sie sind geflohen und Petrus sitzt irgendwo und weint sich die Augen aus dem Kopf ob seines Verrats, dessen er sich beim zweiten Hahnenschrei bewusst geworden ist.

 

Die Frauen gehören zur Gemeinschaft derer, die mit Jesus von Galiläa nach Jerusalem hinaufgezogen sind. „Sie unterstützten Jesus und die Jünger mit ihrem Vermögen.“ (Lk8,2), erfahren wir aus dem Lukasevangelium. Sie sind Zeuginnen seines Lebens und seines Evangeliums. Mit dieser kurzen Bemerkung lässt der Evangelis Markus die Zeit vom See Genezareth bis nach Golgota Revue passieren. Hier in der Todesstunde bewahrheitet sich für die Frauen die Forderung Jesu nach der Kreuzesnachfolge, nach einem Leben, das dem Kreuz nicht ausweicht. „Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach.“ (Mk 8,34)

 

Maria Magdalena, Maria, die Mutter von Jakobus und Jose und Salome. Sie werden in der Urgemeinde eine wichtige Rolle gespielt haben. Am Ostertag treten sie noch einmal auf und wieder wird es um eine Salbung gehen, um den Toten zu ehren. Aber nicht nur als Weggefährtinnen Jesu und Zeuginnen der Auferstehung werden sie in der Urgemeinde eine herausragende Stellung gehabt haben. Sie sind Zeuginnen dafür, dass das Unglaubliche geschehen ist. Der Sohn Gottes hat sein Leben am Kreuz hingegeben und ist gestorben.

 

„Wir haben seinen letzten Schrei gehört und ihn gesehen, wie man ihn zu Grabe getragen hat.“

 

Sie sind die Zeuginnen dafür, dass das tatsächlich geschehen ist. So, wie es Paulus in seinem Schreiben an die Gemeinde in Philippi ins Wort bringt. „Jesus Christus war Gott gleich. Er hielt aber nicht daran fest. … … … Sein Leben war das eines Menschen; er erniedrigte sich und war gehorsam bis zum Tod, bis zum Tod am Kreuz.“ (Phil 2,1.7.8)

 

Kein Gott hat ihn vom Kreuz geholt. Er ist keinen Scheintod gestorben, sondern gottverlassen, entkräftet, verzweifelt. „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ Ps. 22,1

 

Nach dem Todesbeschluss nimmt die Passionsgeschichte ihren Lauf mit Verrat, Verhör, Folter, Kreuz und Tod. Sie ist eingerahmt von zwei Szenen der Barmherzigkeit. Die Salbung mit kostbarem Nardenöl und das stille, mitleidenden Ausharren der Frauen am Kreuz.

 

Ja, der Tod hat sich über das Leben Jesu und die Gemeinschaft der Jünger gelegt, aber mit den Frauen bleibt das Evangelium schon jetzt über den Tod hinaus lebendig in den Taten der selbst- und absichtslosen Liebe und in dem Mut und der Kraft, das Kreuz auszuhalten

 


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