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Treffpunkt Gott V - Nachlese

Früher war alles besser? Mit dem mutigen Schritt des Jesuitenpaters Klaus Mertes an die Öffentlichkeit vor 10 Jahren begann die Geschichte der Aufdeckung und Aufarbeitung von Missbrauchsfällen in unserer Kirche. Aber davor? Da herrschte ein Klima des Vertuschens und Wegsehens. Das war gewiss nicht besser! Statt Wegsehen: Hinsehen, statt Weghören: Zuhören, statt Vertuschen: Aufdecken und Ernstnehmen. Das wird seitdem mehr und mehr gefordert und auch gelebt!

 

Manche von uns haben Unrecht erlitten oder erleiden es noch heute. Manche fühlen sich nicht ernst genommen oder ausgegrenzt oder „nur geduldet“ in unserer Kirche.

 

Der 5. „Treffpunkt Gott“ am 15.02. im Gemeindeheim Herz Jesu hatte dies zum Thema: Was macht das Leiden an der Kirche mit meinem persönlichen Glauben? Aber auch: Was freut und trägt mich trotz allem:

 

„Freude am Glauben – Leiden an der Kirche“

 

Wieder einmal hatten wir eingeladen zu Begegnung und Austausch. Als Gesprächspartner konnten wir Herrn Generalvikar Klaus Pfeffer gewinnen.

 

Gut 50 Menschen aller Altersgruppen sind dieser Einladung gefolgt.

 

Für sie alle begann ein bereichernder, aber auch intensiver Vormittag zunächst wie gewohnt mit einem ausgiebigen Brunch. Alle hatten dazu beigetragen, so dass nach Begrüßung und geistlichem Impuls ein buntes Buffet wartete.

 

In Anschluss fand man sich in der großen Runde zusammen, um mit acht Statements in das Thema einzusteigen:

Vier Beispielen für Engagement aus Freude am Glauben (hier: Messdiener, Begrüßungsdienst, Soziales Netzwerk, JuKS) wurden vier Beispiele für das Leiden an der Kirche gegenübergestellt (hier: Leben als gleichgeschlechtliches Paar, als wiederverheiratete Geschiedene, zerstörerischer Machtmissbrauch in der Kirche, Situation der Frauen in der Kirche).

 

Es folgte ein Austausch in Kleingruppen. Jede/r war eingeladen, über das ganz persönliche Erleben von Kirche nachzudenken und sich zu fragen: Was macht das mit meinem Glauben? Wie kann mein Weg mit Gott weitergehen?

 

Zurück im Plenum berichtete Generalvikar Klaus Pfeffer von seinen persönlichen Erfahrungen im Spannungsfeld zwischen gläubigem Menschen und verantwortlichem Generalvikar. Die Teilnehmenden erlebten einen Generalvikar, der sehr persönlich, offen und ansprechend Stellung bezog, Einblicke in die vielschichtigen Strukturen der Amtskirche gewährte, vergleichbar mit einem weltweit operierenden Unternehmen, in dem der Einzelne nicht grenzenlosen Handlungsspielraum besitzt. Es wurde plausibel, dass auf Bistumsebene ernsthaft um Lösungen für Leiderfahrungen, wie die oben benannten, gerungen wird und erkannt wurde, wie entscheidend es ist, sich für die Menschen in ihrem durch die Kirche erfahrenen Leid Zeit zu nehmen, ihnen zuzuhören und nach Wegen für eine gelingende Zukunft zu suchen. Wichtig sei es, über die einzelnen Ebenen innerhalb der Kirche hinweg miteinander im Gespräch zu bleiben, jedoch unbedingt auch untereinander, auf Gemeindeebene, zuzuhören, ein offenes Ohr für die Menschen in ihren Nöten zu haben.

 

Im anschließenden offenen Gespräch kamen zum Teil bewegende Biografien zur Sprache, ebenso wurde der Vorsatz deutlich, Stachel im Fleisch der Amtskirche zu bleiben, um den – auch mit dem Synodalen Weg – begonnenen Prozess einer Erneuerung der Kirche von der Basis her voranzutreiben.  Nur im Dialog könnten Lösungen gefunden werden, auch wenn sich der Tanker Kirche bisher nur sehr langsam bewegt.

So stellte sich abschließend die Frage nach dem „Und jetzt?“.

Da man sich den Glauben als „Heimat“ nicht nehmen lassen wolle, formulierte eine Teilnehmerin, dass sie sich immer wieder vornehme, Gott in allen Dingen zu suchen und zu erkennen. Generalvikar Pfeffer ermutigte dazu, den eigenen Glauben nach bestem Wissen und Gewissen im Sinne Jesu auszulegen und zu leben.

 

Ein kurzer Gottesdienst mit dem zentralen Lesungstext Mt 5,13-16 („Ihr seid das Salz der Erde“) beschloss die Veranstaltung. Auch die Kinder kamen nun wieder hinzu. Sie hatten den Vormittag in einer eigenen Gruppe verbracht und steuerten zum Gottesdienst ein Bild zum Thema „Er hält die ganze Welt in seiner Hand“ bei. Mit dem dazugehörigen Lied (und dem Thema angemessenen Strophen) als ermutigendem Ohrwurm und einem Mitgebsel in Form einer passenden Karikatur von Thomas Plaßmann begaben sich alle auf den Heimweg.