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Fragen & Antworten zum PEP

Hier finden sich Fragen & Antworten zu den aktuellen Entscheidungen im Pfarreientwicklungsprozess (als Dokument zum Herunterladen und im Wortlaut). Dort werden die Entscheidungen (Extrablatt vom 17.08.2020) nochmals vertiefend erläutert. Hintergrundinformationen zum Pfarreientwicklungsprozess finden sich zudem auf unserer PEP-Internetseite www.kirchturm-denken.de.

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Fragen & Antworten zu den aktuellen Entscheidungen im Pfarreientwicklungsprozess (19.08.2020)
FAQ zum Pfarreientwicklungsprozess_final
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Hier im Wortlaut:

Zum Pfarreientwicklungsprozess

 

Was die Ursache für den Pfarreientwicklungsprozess?

 

Die Bistumsleitung beobachtet bereits seit mehreren Jahren mit Sorge, dass die Zahlen der Pfarreimitglieder und pastoralen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen in unserem Bistum zurückgehen. Dies betrifft besonders die Priester und die Menschen, die heute noch das Leben in den Gemeinden tragen. Viele Verbände beklagen eine Überalterung, gleichzeitig treten viele junge Menschen an der Schwelle zum Berufseinstieg aus der Kirche aus. Die Mittel, die unsere Pfarrei aus dem Bistum erhält, sollen zwar bis 2030 stabil bleiben (die Auswirkungen der Corona-Pandemie sind dabei noch nicht berücksichtigt), gleichzeitig steigen aber die Kosten für die Unterhaltung der Gebäude und es gibt an vielen Stellen einen zunehmenden Sanierungsbedarf. Dadurch ergibt sich für alle Pfarreien eine mehr oder weniger große Finanzierungslücke.

 

Was ist das Ziel des Pfarreientwicklungsprozesses?

 

Das Ziel des Pfarreientwicklungsprozesses ist es, die Pfarreien gut für die Zukunft aufzustellen. Bischof Franz-Josef Overbeck hat im Jahr 2015 bistumsweit diese Prozesse initiiert (https://zukunftsbild.bistum-essen.de/index.php?id=1496). Sie greifen Fragen der gesellschaftlichen Entwicklung und der personellen, pastoralen und wirtschaftlichen Ressourcen der Pfarreien auf.

 

Die Situation unserer Pfarrei nach dem Votum im Jahr 2017

 

Wurden im Votum von 2017 nicht bereits Entscheidungen zur Zukunft unserer Pfarrei getroffen?

 

Das Votum von 2017 (www.kirchturm-denken.de/index.php/votum) greift bereits einige Aspekte auf und gibt Anregungen für die weitere Entwicklung. Gleichzeitig wurde die Entscheidung über die Standorte vertagt, da sich die Gremien für die Vorbereitung dieser Entscheidung noch Zeit nehmen wollten.

 

Warum musste jetzt schon eine Entscheidung fallen, hätten wir dazu nicht noch länger Zeit gehabt?

 

Laut unserem Votum von 2017 hätten sich die Pfarreigremien mit den finalen Entscheidungen noch etwas Zeit lassen können. Allerdings haben sowohl der Kirchenvorstand als auch der Pfarrgemeinderat festgestellt, dass die offenen Fragen viele Entscheidungen hemmen und das Pfarreileben lähmen. Daher haben die Gremien auf ihrer Klausurtagung im Juni 2019 beschlossen, eine Arbeitsgruppe mit dem Entwurf einer Konzeption zu beauftragen. Diese Arbeitsgruppe, die „AG Zukunftsbild“, setzt sich aus kompetenten Mitgliedern des Kirchenvorstands und des Pfarrgemeinderats zusammen. Sie haben sich im September 2019 das erste Mal getroffen. In 12 Sitzungen sowie mehreren vorbereitenden Treffen haben sie ein Konzept zur pastoralen und wirtschaftlichen Entwicklung erarbeitet.

 

Die Arbeit der AG Zukunftsbild

 

Mit welchen Fragen hat sich die AG Zukunftsbild befasst?

 

In die Überlegungen der AG Zukunftsbild sind die Ergebnisse und Arbeitsunterlagen eingeflossen, die uns von der Bistumsleitung zur Verfügung gestellt wurden (wie die Architektenbewertungen der einzelnen Gebäude und die Kostenkalkulation) und solche, die wir selbst erhoben oder zusammengestellt haben (wie die Verbandsumfrage oder Belegungs- und Besucherzahlen unserer Räumlichkeiten). Weiterhin hat sich die AG Zukunftsbild intensiv mit den Bedürfnissen unserer Pfarreimitglieder auf Basis der Sinus-Milieu-Studie und den Angeboten, wie wir ihnen machen, befasst.

 

Welche Bedürfnisse haben die Mitglieder unserer Pfarrei?

 

Anhand der Sinus Milieus lassen sich für verschiedene Gruppen unterschiedliche Erwartungen und Bedürfnisse in Bezug auf Kirche identifizieren. Auch geben sie Hinweise, wie sich das ehrenamtliche Engagement in Zukunft entwickeln wird (www.sinus-institut.de/sinus-loesungen/sinus-milieus-deutschland). Für die Pfarrei St. Josef liegen Daten zur Verteilung der Sinus Milieus aus dem Jahr 2013 vor.

 

Regelmäßige Gottesdienstbesucher kommen vor allem aus dem „konservativ-etablierten“ und dem „traditionellen“ Milieu. Diese beiden Gruppen übernehmen häufig auch Verantwortung in ehrenamtlichen Tätigkeitsfeldern. Während die Anteile des konservativ-etablierten Milieus deutschlandweit zwischen 2013 und 2020 stabil geblieben sind, ist der Anteil des traditionellen Milieus im gleichen Zeitraum stark zurückgegangen. Es ist auch das Milieu mit dem höchsten Altersdurchschnitt. Weitere Milieus sind über thematische Angebote zu erreichen: beispielsweise die „bürgerliche Mitte“ über Angebote für Familien oder das „sozial-ökologische“ Milieu über Themen wie Gerechtigkeit oder Nachhaltigkeit. Andere Milieus haben einen eher dienstleistungs- bzw. eventorientierten Zugang zu Kirche und leben ihren Glauben individualisiert. Dieser Trend wird in Zukunft eher zunehmen. Kirchenmitgliedern aus fast allen Milieus sind Angebote für Kinder, Jugendliche und Familien, die Feier der Hochfeste und die kirchlichen Feiern an Lebenswenden (Kasualien, z.B. Trauung, Taufe) wichtig. Die Nachfrage nach den sog. „Kasualien“ (Taufe, Trauung, Ehejubiläum etc.) wird sich aufgrund der insgesamt rückläufigen Mitgliederzahlen leicht reduzieren. Eine Ausnahme bilden die kirchlichen Beisetzungen, hier wird mit Blick auf die Mitgliederstruktur eine leichte Zunahme erwartet.

 

Welche Konsequenzen haben die prognostizierten Veränderungen des Mitgliederbestands?

 

Aus den Mitgliederprognosen des Bistums und der Sinus-Milieu-Studie lässt sich ableiten, dass es zukünftig insgesamt weniger Menschen geben wird, die am Gottesdienst teilnehmen oder die bereit sind, ehrenamtliche Arbeiten zu übernehmen. Dazu kommen strukturelle Veränderungen: die Bereitschaft, sich langfristig zu binden, z.B. in traditionellen Verbandsstrukturen, lässt nach. Die Ansprache über thematische, zeitlich überschaubare Angebote (Projektmitarbeit) wird zukünftig immer wichtiger.

 

Auf der anderen Seite ist aus der ersten Phase des Pfarreientwicklungsprozesses bekannt, dass viele Räume in unseren Gemeindeheimen bereits heute zu vielen Zeiten nicht belegt sind und leer stehen. Leerstände, die nach dem Votum 2017 fast komplett von ehrenamtlichen Kräften verwaltet werden müssen.

 

Wie wird sich das pastorale Personal in Zukunft entwickeln?

 

Die Personalschätzungen für das gesamte Bistum Essen sagen einen starken Rückgang der Priesterzahl bis ins Jahr 2030 voraus, die Zahlen der Diakone sowie der nicht geweihten pastoralen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bleiben auf niedrigem Niveau stabil. Da unsere Pfarrei aktuell im Vergleich zu anderen Pfarreien überproportional mit Priestern besetzt ist, geht die AG Zukunftsbild davon aus, dass zumindest diejenigen Mitarbeiter, die in den nächsten Jahren in den Ruhestand treten, nicht mehr ersetzt werden. Wir rechnen damit, dass ab 2025 vielleicht nur noch zwei, maximal drei Priester in unserer Pfarrei tätig sein werden (zum Vergleich: in 2017 waren es noch sechs Priester und Kapläne, die die heilige Messe feiern konnten).

 

Wie sich die Situation der Diakone und der nicht geweihten Seelsorgerinnen und Seelsorger unter Bedingungen des Mangels in anderen Teilen des Bistums entwickelt, kann heute nicht vorhergesagt werden. Es ist davon auszugehen, dass wir zukünftig stärker als bislang der Unterstützung durch qualifizierte ehrenamtliche Kräfte bedürfen, die eigenständig Aufgaben in der Verkündigung übernehmen können, wie beispielsweise Wort-Gottes-Feiern in Seniorenheimen oder den ehrenamtlichen Beerdigungsdienst.

 

Wurde das in der Pfarreiverwaltung und Kirchenmusik tätige Personal berücksichtigt?

 

Für das in der Pfarreiverwaltung tätige Personal und die Kirchenmusiker wurden bereits im PEP-Votum von 2017 Reduzierungen durch die Nichtbesetzung von Stellen nach dem Ausscheiden der Inhaber in den Ruhestand beschlossen. Weitere Kosteneinsparungen sind aus Sicht der AG Zukunftsbild nur sehr eingeschränkt möglich.

 

Das Konzept der AG Zukunftsbild

 

Welches Ziel hat das Konzept der AG Zukunftsbild?

 

Das Konzept der AG Zukunftsbild zeigt Ansatzpunkte für die zukunftsfähige pastorale Entwicklung unserer Pfarrei und ein tragfähiges Gerüst für ihre wirtschaftliche Entwicklung auf:

  • In allen Gemeinden kann Gottesdienst gefeiert werden.
  • In allen Gemeinden, wenn möglich an allen Standorten, gibt es Raum für gemeindliches Leben, besonders für die Jugendarbeit.
  • In allen vier Gemeinden bleibt ein voll von der Pfarrei finanziertes Gebäude erhalten.
  • Im pastoralen Bereich werden (erste) Ansatzpunkte identifiziert, die für die pastorale Entwicklung der Pfarrei von Bedeutung sind.
  • Ehrenamtliches Engagement bleibt attraktiv.
  • Die Tätigkeitsvielfalt der hauptamtlichen Kräfte bleibt erhalten.
  • Im wirtschaftlichen Bereich wird eine nachhaltige Entwicklung ermöglicht, die die Abhängigkeit der Pfarrei von Kirchensteuermitteln langfristig reduziert und im positiven Fall Mittel generiert, die in die pastorale Arbeit der Pfarrei reinvestiert werden können.
  • Veränderungen im Gebäudebestand erfolgen mit einer sozialen Ausrichtung, d.h. das, was anstelle des oder im (ehemaligen) kirchlichen Gebäude(s) entsteht, soll möglichst ein soziales Bedürfnis der Gemeinde oder des Stadtteils ansprechen (z.B. barrierefreies Wohnen, Mehrgenerationenhaus).
  • Für die Umsetzung der verschiedenen Vorhaben sind verschiedene Modelle denkbar, die die Ressourcen der Pfarrei unterschiedlich beanspruchen. Es wird die Nutzung von Synergien und Kooperationsmöglichkeiten mit unterschiedlichen Kooperationspartnern angestrebt.
  • Die Gemeinden und die dortigen Jugendgruppen werden über lokale Standortentwicklungsgruppen in die Veränderungen eingebunden.

Durch die Veränderungen erhält unsere Pfarrei St. Josef Essen Ruhrhalbinsel ein ansprechendes Profil, das die Menschen neugierig auf das Leben in unserer Pfarrei macht. Wir gestalten die Zukunft aktiv durch eine Neuausrichtung, die sich an den sich ändernden Rahmenbedingungen orientiert.

 

Was sind die Ansatzpunkte für pastorale Entwicklung?

 

Kasualien: Beerdigungen

  • Ca. 300 jährlich
  • Gewinnung und Ausbildung von Ehrenamtlichen im Beerdigungsdienst
  • Neuorganisation der Requien, z.B. für mehrere Verstorbene gemeinsam

Sonntagsmesse

  • Anpassungen von Form und Gestaltung mit Blick auf die Entwicklung der Zahlen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer an unseren Gottesdiensten und der pastoralen Kräfte (Schätzung 2030: 2-3 Priester) und unter Berücksichtigung der verschiedenen Milieu-Bedürfnisse.

Kinder-, Jugend- und Familienangebote

  • Weiterhin wichtiger Zugangsweg (Messdienerschaft, KjG, Pfadfinder, offene Jugendarbeit, Arbeitskreis Familie (AKF), Jugend-und-Kinder-Spaß (JuKS) etc.)
  • Besonderer Schwerpunkt in der Pfarrei

Erstkommunion

  • Chance, mit Familien in Kontakt zu kommen bzw. zu bleiben, die eventuell weiter entfernt vom Gemeindeleben sind
  • In 2030 ca. 100 Kinder (2019: ca. 160)

Diakonia/Caritas

  • Vorhandene Angebote vernetzen und weiterentwickeln

Kommunikation

  • Extern: wichtig, um die Menschen in unserer Pfarrgemeinde besser zu erreichen
  • Intern: wichtig für die Abstimmung zwischen allen Aktiven und zur Nutzung von Synergieeffekten

 

Welche Veränderungen gibt es in der Gemeinde Herz Jesu?

 

  • Die Kirche Herz Jesu wird erhalten, die multifunktionale Nutzung geprüft.
  • Das Gemeindeheim wird aufgegeben. Das Areal wird zusammen mit dem Pastorat für eine soziale Nutzung entwickelt. Dort soll auch Raum für Gemeindearbeit entstehen.
  • In die Überlegungen werden die Gemeinschaftsräume der Seniorenwohnungen am Kirchhof mit einbezogen.

Die denkmalgeschützte Kirche Herz Jesu ist der einzige Gottesdienststandort in Burgaltendorf. Sie ist die größte Kirche der Pfarrei und die Kirche mit den zweitmeisten Gottesdienstbesuchern (2012-2016). Sie ist die Kirche, in der im Jahr 2016 die meisten Trauungen und Taufen der Pfarrei stattfanden.

 

Welche Veränderungen gibt es in der Gemeinde St. Georg?

  • Die Kirche St. Georg wird langfristig erhalten, die multifunktionale Nutzung geprüft.
  • Das Pfarrzentrum wird aufgegeben und zur sozialen Nutzung entwickelt. Dort soll auch Raum für Gemeindearbeit entstehen.
  • Die Kita wird erhalten. Bei der Neukonzeption wird der Kita-Standort Lelei in die Betrachtung mit einbezogen.

Die Kirche St. Georg ist neben dem Alten- und Pflegeheim St. Georg der einzige Gottesdienststandort der von der restlichen Ruhrhalbinsel durch Ruhr und Baldeneysee relativ entkoppelten Gemeinde. Sie ist die Kirche mit den meisten Gottesdienstbesuchern (2012-2016) und wird auch gerne für Taufen und Trauungen verwendet. Die Erreichbarkeit der übrigen Gemeinden mit dem ÖPNV gestaltet sich schwierig. Das Gemeindezentrum ist für die gemeindliche Nutzung überdimensioniert. Auch der Gemeinderat sieht in der derzeitigen Form keine Chance für einen Erhalt des Gebäudes.

 

Welche Veränderungen gibt es in der Gemeinde St. Suitbert am Standort Holthausen?

  • Die Kirche St. Suitbert wird langfristig erhalten, die multifunktionale Nutzung geprüft.
  •  Das Jugendheim St. Suitbert wird langfristig erhalten und für die Gemeinde- und Jugendarbeit genutzt.
  •  Das Gemeindeheim wird aufgegeben und sozial entwickelt.
  •  Pfarrerwohnung und Pfarrbüro bleiben erhalten.

Das Areal um die denkmalgeschützte Kirche St. Suitbert mit Kirche, Pfarrerwohnung, Pfarrbüro, Kirchvorplatz, Jugendheim, Wiese hinter der Kirche und dem benachbarten Kindergarten bietet perspektivisch viele Entwicklungsmöglichkeiten in zentraler Lage. Eine Nutzung der Kirche als Veranstaltungs- und Vortragsraum für größere Veranstaltungen scheint aufgrund der fächerförmigen Anordnung gut möglich, zusammen mit dem Jugendheim bleibt genug Raum für Jugend- und Gemeindearbeit.

 

Welche Veränderungen gibt es in der Gemeinde St. Suitbert am Standort Hinsel?

 

  • Die Kirche St. Mariä Heimsuchung wird aufgegeben.
  • Der gesamte Gebäudekomplex inklusive der Kirche, des Gemeindeheims und der aktuell kirchlich genutzten oder vermieteten Räumlichkeiten wird zur sozialen Nutzung entwickelt.
  • Räumlichkeiten für die Gemeindearbeit in Hinsel sollen durch die engere Kooperation mit dem Marienheim oder der evangelischen Kirche entstehen.

Am Standort St. Mariä Heimsuchung wird die Kirche nach Beschluss des Gemeinderats St. Suitbert bereits heute nur noch für Gottesdienste an Werktagen oder für Schulgottesdienste genutzt. Ein regelmäßiges Gottesdienstangebot für weniger mobile Menschen im Ortsteil Hinsel gibt es im Seniorenzentrum Marienheim. Dieses soll nach dem Votum des Gemeinderats zukünftig noch stärker, vor allem im Bereich der Seniorenarbeit, in die Gemeindearbeit integriert werden.

 

Welche Veränderungen gibt es in der Gemeinde St. Josef am Standort Byfang?

 

  • Die Kirche St. Barbara wird bis auf weiteres erhalten.
  • Das Gemeindeheim St. Barbara wird über den Förderverein erhalten.

Die Kirche St. Barbara liegt zentral im Stadtteil Byfang. Sie hat, in Relation zur Einwohnerzahl des kleinen Stadtteils, recht hohe, stabile Teilnehmendenzahlen im Sonntagsgottesdienst und wird gerne für Trauungen und Taufen genutzt, auch von Auswärtigen. Der Förderverein St. Barbara betreibt bereits das Gemeindeheim, das als Treffpunkt im relativ abgekoppelten Ortsteil und für die Jugendarbeit von großer Bedeutung ist. Der Förderverein hat seinen Vereinszweck auf die Erhaltung der Kirche ausgeweitet, so dass ihr Bestand langfristig, auch unabhängig vom Engagement der Pfarrei, gesichert scheint.

 

Welche Veränderungen gibt es in der Gemeinde St. Josef am Standort Dilldorf?

 

  • Die Kirche St. Mariä Geburt wird als Gottesdienststandort aufgegeben. Ziel ist eine Entwicklung zur sozialen Nutzung unter Berücksichtigung des Denkmalschutzes, eventuell unter Einbeziehung des Geländes der angrenzenden Kita.
  • Das Gemeindeheim Marienheim wird über den Förderverein erhalten. Ist dies nicht mehr darstellbar, wird das Areal einer sozialen Nutzung zugeführt oder verkauft.
  • Das Kloster Dilldorf bleibt erhalten.

Die Kirche St. Mariä Geburt ist nach dem Abriss der Kirche St. Josef eine von zwei Kirchen in der Gemeinde. Sie steht unter Denkmalschutz. Die Kostensituation für Unterhalt und die Schätzung des Bistums zu Instandsetzungsmaßnahmen lassen den Erhalt durch einen Förderverein langfristig unrealistisch erscheinen. Die Struktur des Fördervereins für das benachbarte Marienheim ist – wie auch die der Gottesdienstfeiernden – eher durch Aktive im höheren Lebensalter geprägt. Es ist bislang nur in geringem Maße gelungen, das Potential der jungen Familien auf der zum Ortsteil gehörenden Dilldorfer Höhe zu erschließen. Eventuell kann bei Planungen für die Kirche das Gelände der benachbarten Kita mit einbezogen werden. Das Gebäude weist Sanierungsbedarf auf und die Kita-Form (zweigruppig ohne U3-Betreuung) ist nach Auskunft des Betreibers, des KiTa-Zweckverbands, nicht zukunftsfähig. Ein kompletter Kita-Neubau, auch an anderer Stelle, wäre denkbar. Im Kloster Dilldorf finden in der Kapelle im kleineren Rahmen Veranstaltungen statt.

 

Welche Veränderungen gibt es in der Gemeinde St. Josef am Standort Kupferdreh?

 

  • Das Gemeindeheim St. Josef wird langfristig erhalten.
  • Es wird eine engere Kooperation mit der evangelischen Kirchengemeinde angestrebt, u.a. zur weiteren Nutzung der Christuskirche für katholische Gottesdienste.

Das Gemeindeheim wurde nach dem Abriss der Kirche St. Josef aufwendig saniert und ist ein beliebter Treffpunkt und Veranstaltungsort im Stadtteil. Zur evangelischen Kirchengemeinde bestehen bereits gute Kontakte, der Arbeitskreis Ökumene führt ökumenische Gottesdienste durch (z.B. den ökumenischen Jugendkreuzweg), die Schulgottesdienste der katholischen Josefschule finden bis auf wenige Ausnahmen in der evangelischen Christuskirche statt und die Messdienerschaft in Kupferdreh ist eng mit der Jugendarbeit der evangelischen Kirchengemeinde vernetzt. Eine Ausweitung der Kooperation scheint im Bereich des Möglichen.

 

Wer wird in die Umsetzung der Vorhaben eingebunden?

 

Die Steuerungsgruppe initialisiert in Abstimmung mit den Pfarreigremien Projektgruppen vor Ort. Bei der Zusammensetzung der Gruppen soll insbesondere die Einbindung der lokal aktiven Gemeindegruppen (Gemeinderat, Jugend, Ehrenamtliche, …) berücksichtigt werden. Die Projektgruppen arbeiten in Abstimmung mit der Steuerungsgruppe. Sie haben die Aufgabe, Ideen für die unterschiedlichen geplanten Umnutzungsprojekte zu entwickeln und mögliche Kooperationspartner zu identifizieren.

 

Wann sollen die Projekte starten und was bedeutet das für die verschiedenen Gebäude?

 

Offiziell starten die verschiedenen Projekte mit der Aufnahme der Arbeit durch die lokalen Projektgruppen. Sie werden zum November 2020 ihre Arbeit aufnehmen. Wir werden kontinuierlich über die Arbeit der Projektgruppen und zeitnah über die daraus resultierende Zeitplanung berichten.

 

Welchen finanziellen Rahmen haben die geplanten Vorhaben?

 

Zum finanziellen Rahmen ist zum jetzigen Zeitpunkt keine Aussage möglich. Es ist deutlich, dass die Vielzahl der Projekte die Pfarrei und ihre Gremien finanziell und auch personell leicht überfordern können. Daher sollen sie mit unterschiedlichen Kooperationspartnern, in unterschiedlichen Kooperationsformen, mit der Unterstützung des Generalvikariats und unter Einbindung der lokalen Akteure vor Ort vorangebracht werden.

 

Was passiert, wenn wir die Projekte nicht verfolgen?

 

Die anstehenden Veränderungen sind schmerzhaft. Sie schmerzen auch die Entscheidungsträger der Pfarrei, die Mitglieder des Kirchenvorstands und des Pfarrgemeinderats. Sie haben sie nach eingehender Beratung und reiflicher Überlegung mehrheitlich beschlossen, weil sie wissen, dass den Verantwortlichen in der Pfarrei andernfalls die Chance genommen wird, die notwendigen Veränderungen aktiv zu gestalten, und sie in hohem Maße von zufälligen Ereignissen außerhalb unserer Handlungsgewalt abhängig werden. Die unklare Situation hemmt bereits heute viele Entscheidungen und verhindert notwendige und sinnvolle Investitionen. In dem vorliegenden Konzept sehen der Kirchenvorstand und der Pfarrgemeinderat die Chance, das Pfarrei- und Gemeindeleben langfristig und nachhaltig auf sichere Füße zu stellen. Für alle Gläubigen auf der Ruhrhalbinsel und ihre Kinder.

 

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Kommentare: 7
  • #1

    Thomas Imhof (Donnerstag, 20 August 2020 10:24)

    Die geplante Schließung der Dilldorfer Kirche für Gottesdienste ist eine Bankrotterklärung und ein Armutszeugnis der katholischen Kirche in Essen. Nachdem schon vor vielen Jahren die St. Josef-Kirche in Kupferdreh geschlossen und sogar abgerissen worden ist, muss man sich als religiös fühlender Mensch ernste Sorgen machen, ob man bald überhaupt noch im nahen Umkreis von Kupferdreh zur Messe gehen kann. Gerade für ältere und nicht so mobile Menschen ist es schwer zumutbar, nach Burgaltendorf oder Heisingen auszuweichen. Ebenso nach Byfang, wobei ja auch die dortige Kirche nicht vor einer Schließung gefeit ist. Es müsste in der Kirche Deutschlands, aber auch NRWs, so etwas wie einen Länderfinanzausgleich geben. In dem reiche Bistümer wie Köln oder Münster, oder überregional Freising oder Würzburg, schwachen Regionen finanziell unter die Arme greifen. Es kann doch nicht sein, dass hier im Revier Kirche ausblutet, während zugleich an jeder Ecke eine neue Moschee aus dem Boden schießt. Am Ende hören wir hier statt Kirchenglocken den Ruf des Muezzins, wie ja schon jetzt an manchen Orten Realität. Fazit: In Dilldorf/Kupferdreh muss weiter Glauben gelebt werden, und zwar in Form von Kirchengebäuden mit Gottesdiensten. PS Ich bin Mitlied der alt-katholischen Gemeinde Essen/Mülheim/Oberhausen, aber Kupferdreher Bürger und mache mir Sorgen um die immer stärker zunehmende Säkularisierung unserer Gesellschaft und das defensive Agieren einer Kirche, die durch den Missbrauchsskandal und die Benachteilung von Laien und Frauen ohnehin schon ein schlechtes Erscheinunsbild abgibt. Was jetzt erforderlich ist, wäre ein Offensive auf allen Ebenen statt sich zu verzwergen und einzuigeln. Wer mir schreiben will: redaktionimhof@aol.com

  • #2

    Dr. Egon Peus (Samstag, 22 August 2020 09:49)

    Die Gemeinde schreibt : "Entscheidung über die Standorte vertagt, da sich die Gremien für die Vorbereitung dieser Entscheidung noch Zeit nehmen wollten." die Gremien - die irgendwelche "Gremien"? Wir sind in Zeiten der Kommunalwahl, und da tobt derselbe Wahnsinn: nur "Gremien" die sich "demokratisch legitimiert" wähnen,"beschließen". Was uns allüberall fehlt, ist ein OFFENER, ALLE potentiell Betroffenen erreichender und einbindender Meinungsbildungsprozess. An dessen Ende mögen dann die formal zuständigen engeren Gremien beschließen. Wie ist das hier abgelaufen?

  • #3

    Gereon Alter (Samstag, 22 August 2020 11:46)

    Sehr geehrter Herr Dr. Peus,
    wie breit und umfassend der Meinungsbildungs- und Entscheidungsprozess angelegt worden ist, können Sie auf der eigens dafür eingerichteten Seite www.kirchturm-denken.de nachvollziehen. Öffentlich zugängliche und umfangreich beworbene Großveranstaltungen gehörten ebenso dazu, wie die Möglichkeit schriftlicher Eingaben und die Teilnahme an öffentlichen Pfarrgemeinderats- und Gemeinderatssitzungen. Bei den Gremien, die die Beschlussfassung vorbereitet haben, ist auf eine paritätische Zusammensetzung geachtet worden. Nicht nur jedes Gremium, sondern auch jede Gemeinde / jeder Stadtteil waren vertreten. Wir haben regelmäßig in unseren eigenen Medien wie auch in der Lokalpresse über den Prozess informiert. Mehr Beteiligung geht in meinen Augen kaum.

  • #4

    Christoph Dorschel (Montag, 24 August 2020 18:46)

    Interessanterweise scheint diese absolut breite und umfassende Informationsprozess nicht aus den Gremien in den Gemeinden angekommen zu sein, ansonsten wären die Reaktionen darauf nicht so wie sie sind.
    Interessant wäre auch zu wissen, wann die finale Entscheidung einen Stadtteil komplett kirchenfrei zu machen, gefallen ist und wann sie kommuniziert wurde.
    Ich gebe zu, dass meine aktive Beteiligung am Gemeindeleben nach dem Abriss von St. Josef deutlich zurückgegangen ist und damit werde ich wahrscheinlich nicht der Einzige sein.
    Interessant finde ich auch, dass es um einen Rückgang an "zahlenden" Mitgliedern von ca. 5000 in 18 Jahren (2012-2030) gesprochen wird und um einen Rückgang an Gottesdienstbesuchern von 1500 auf 900 in 2030 gerechnet wird.
    Das sind Zeiträume von 10 Jahren von Heute an.
    Muss deswegen noch in diesem Jahr ein Stadtteil kirchenfrei gemacht werden?
    Ist die Eile wirklich notwendig oder muss sich irgendjemand seinen Vorgesetzten gegenüber nicht nur im Fernsehen darstellen, sondern auch im "echten Leben" profilieren?
    Das es mal wieder die Kupferdreher trifft, denen man schon vor ein paar Jahren in einer Nacht und Nebelaktion die Kirche nicht nur weggenommen hat, diese wurde dann auch schnellstens abgerissen. Das sich dort, trotz gegenteiligen Aussagen des sich mittlerweile doch eher als Heuschrecke erweisenden Investor nichts getan hat, ist meiner Ansicht nach ein weiter Schlag ins Gesicht der lokalen Gemeinde.
    Bei diesem Vorgehen darf sich doch wirklich niemand mehr wundern, dass nun die Leute sich noch mehr veräppelt vorkommen, wenn es auf die gleiche Art und Weise wieder passiert.
    Gemeindeleben wird systematisch zerstört wie soll da bitte jemand auf die Idee kommen sich als Zugezogener daran zu beteiligen. Im obigen Text übrigens besonders zynisch "Es ist bislang nur in geringem Maße gelungen, das Potential der jungen Familien auf der zum Ortsteil gehörenden Dilldorfer Höhe zu erschließen." formuliert. Danke, wer ist denn dafür verantwortlich wenn nicht Sie Herr Alter?
    Meiner Ansicht haben Sie als Pfarrer der Gesamtgemeinde in allen Punkten versagt.
    Eventuell sollten Sie sich ein Beispiel an Ihrem Vorgänger Herrn Kirchner nehmen und sich zu Studien zurückziehen, Fahrradfahren und ab und zu ein salbigs WzS einsprechen.

  • #5

    Christoph Dorschel (Montag, 24 August 2020 19:21)

    Achso, noch etwas.
    Nein, die Leute hängen nicht an den Gebäuden, sondern an dem Drumherum, was ohne diese Gebäuse schlicht wegfällt.
    Kupferdreh hatte vor der Kirchenschließung ein ordentliches Gemeindeleben.
    Was ist davon mittlerweile übrig geblieben?
    Nichts. Voran liegt das? Sicherlich nicht daran, dass die Leute an Gebäuden hängen.

  • #6

    Gereon Alter (Freitag, 28 August 2020 11:38)

    Sehr geehrter Herr Dorschel,
    ich habe den Eindruck, Sie verstehen ein paar grundlegende Dinge nicht: zum Beispiel, dass das Ermöglichen von Partizipation etwas anderes ist als das Wahrnehmen von Partizipation; dass ein katholischer Pfarrer kein Monarch ist, sondern seine Verantwortung mit demokratisch gewählten Gremien teilt; dass die Lebendigkeit und Präsenz einer christlichen Gemeinde sich nicht primär an Gebäuden entscheidet; und ganz konkret: dass nicht "noch in diesem Jahr ein Stadtteil kirchenfrei gemacht wird", sondern dass im Herbst ein Umsetzungsprozess beginnt, der sich über mehrere Jahre hinziehen und keineswegs dazu führen wird, dass ein ganzer Stadtteil ohne Gottesdienstort dastehen wird. Bei all Ihrer Erregung und Antipathie täten Sie in meinen Augen gut daran, den Boden der Tatsachen nicht ganz zu verlassen.

  • #7

    Christoph Dorschel (Donnerstag, 03 September 2020 18:23)

    Hallo Herr Alter,

    dann bin ich doch mal gespannt, wie es umgesetzt wird, dass Kuperdreh nicht kirchenfrei gemacht wird.
    Wie gesagt, ich glaube auch nicht, dass ein Gemeindeleben an einer Kirche hängt, sondern an den Menschen.
    Es wird nur wirklich schwierig für diese Menschen ein Gemeindeleben aufrecht zu erhalten, wenn es keinen gemeinsamen "Haltepunkt" gibt.
    Und nein, die Aussagen, die früher schon nach dem Abriss von St. Josef gezogen wurden, dass die Kapellen in den Alteneinrichtungen und im Krankhaus ausreichende Ausweichorte wären hat sich anscheinend nicht bewahrheitet.
    Wenn ich ehrlich bin, möchte ich ungerne ins Krankenhaus oder ins AKH gegen, unabhängig von Corona. Und wie es wohl aussieht, bin ich nicht der Einzige, der so denkt.
    Aber immerhin finde ich es gut, dass Sie nicht abtauchen, sondern sich der Diskussion stellen.