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ACAT-Impuls zum Misereor-Hungertuch

Das MISEREOR Hungertuch 2021 „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ von Lilian Moreno Sánchez (c) MISEREOR
Das MISEREOR Hungertuch 2021 „Du stellst meine Füße auf weiten Raum“ von Lilian Moreno Sánchez (c) MISEREOR

"Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“*

 

...heißt es im 31. Psalm, auf den das MISEREOR-Hungertuch der chilenischen Künstlerin Lilian Moreno Sánchez Bezug nimmt. Aktueller Anknüpfungspunkt für ihr Werk ist ein Röntgenbild, das den gebrochenen Fuß eines Menschen zeigt, der 2019 in Santiago de Chile bei Demonstrationen gegen soziale Ungleichheit durch die Staatsgewalt verletzt worden ist.

 

Nicht ohne Grund hat die Künstlerin das Motiv des verletzten Fußes gewählt. Unsere Füße tragen und stabilisieren uns, sie befähigen uns zum aufrechten Gang. Verletzt, verurteilen sie uns zur Unbeweglichkeit, ja, schlimmer noch, wir werden unserer Freiheit beraubt, erniedrigt, entwürdigt.


Lilian Moreno Sánchez ist in der Zeit der Diktatur unter Pinochet groß geworden. Ihr liegt daran, mit dem von ihr gestalteten Hungertuch über den konkreten Anlass aus 2019 hinaus auf jegliche Situation zu verweisen, in der Menschen Opfer von staatlichem Machtmissbrauch werden.

 

„Gott, (…) ich fühle mich wie in ein Netz verstrickt, das plötzlich über mich geworfen wurde. Hilf mir heraus, denn ich habe Angst. Einsamkeit überfällt mich, und ich fühle mich gefangen.“ *

Vor rund einem Jahr wurden mit den sog. „China Cables“ Dokumente aufgedeckt, denen zufolge es den muslimischen Minderheiten in China verboten ist, ihre Sprache zu sprechen oder ihre Religion auszuüben. Mit modernster Überwachungstechnologie wird jeder ihrer Schritte überwacht, der geringste Regelverstoß mit Internierung geahndet. Frauen werden gewaltsam Methoden der Geburtenkontrolle unterworfen und Tausende von Kindern von ihren Eltern getrennt. Wer sich der Umerziehung widersetzt, wird bestraft. Über eine Million UigurInnen werden in chinesischen Masseninternierungslagern in der Provinz Xinjiang festgehalten und dort Zwangsarbeit, Folter und anderen Menschenrechtsverletzungen unterworfen. Etwa ein Fünftel der Baumwollprodukte weltweit wird mit Zwangsarbeit und Menschenrechtsverletzungen in Xinjiang in Verbindung gebracht. Aktuell steht ein Investitionsabkommen der Europäischen Union (EU) mit China kurz vor der Ratifizierung durch das Eurpäische Parlament. China hat dieses Abkommen an eine strikte „Nichteinmischung“ der Europäer in seine inneren Angelegenheiten geknüpft. Die EU hat die Gelegenheit verpasst, deutliche Worte gegenüber einem Land zu finden, das in Sachen Menschenrechte keine Skrupel hat.

 

„Aber dennoch bist du da. In deine Hände lege ich mich. Ich vertraue darauf: Du lässt mich nicht fallen. Du holst mich heraus aus meiner Machtlosigkeit. Du stellst meine Füße auf weiten Raum. Du bist mein Gott!“ *

 

Ebenso wenig wie der Psalm 31 bleibt auch das Werk von Lilian Moreno Sánchez beim Leid stehen, sondern betont die Kraft des Wandels. Mit Gottes Hilfe. Mit unserer Hilfe. Durch das Engagement einzelner. Durch unsere Solidarität.

 

In China wurde Ilham Tohti, ein uigurischer Wirtschaftsprofessor und bekannter Verteidiger der Menschenrechte, 2014 in einem Schauprozess zu lebenslanger Haft verurteilt, nachdem er sich über 20 Jahre lang unermüdlich für die Förderung von Dialog und gegenseitigem Verständnis zwischen den UigurInnen und den übrigen Bevölkerungsgruppen Chinas eingesetzt hatte. Im Gefängnis wurde er misshandelt. Für sein Engagement hat er 2019 u.a. den Sacharow-Preis des EU-Parlaments erhalten.

 

Zeigen Sie Solidarität. Unterzeichnen Sie die dringlichen Appelle für die UigurInnen und Ilham Tohti, die Sie auf der Homepage unserer Pfarrei unter „ACAT-Briefaktionen im März“ - Karfreitagskampagne - als Dringlichkeitsaktion (DA) zu China finden. Zu weiterführenden Informationen empfehlen wir die ACAT-Homepage der Schweiz unter https://www.acat.ch/de/aktiv_werden/kampagnen/karfreitag/

 

„Eine andere Welt ist möglich.

Diese Hoffnung möchte ich verbreiten“

Lilian Moreno Sánchez

 

*Psalm 31